Geschrieben von uwe (von: pp.149.206.ber.germanynet.de) on September 18, 2000 at 17:19:23 (IP: 151.189.149.206)
Als Antwort auf : Re: Das Simulierte Synfonie Ochester geschrieben von Hans Georg on September 17, 2000 at 16:20:59:
Hallo Hans Georg.
Für mich ist dieses Medium noch ganz neu, aber ich ahne schon, daß man sich da leicht verlieren kann. Andrerseits bietet es völlig neue Perspektiven der Kommunikation. Auf jeden Fall kann man so Leute kennenlernen, die man sonst auf keinen Fall kennengelernt hätte. So z.B. habe ich neulich unter http://www.sciortino.net/music/contrib.html die Homepage eines "Geichgesinnten" gefunden und Kontakt zu ihm aufgenommen. Der hat sogar schon Geld damit verdient, klassische Musik mit synthetischem Klangkörper über Midi zu spielen. Unter der Adresse: - http://www.mp3.com/virtualphilharmonic - kann man sich ein paar mp3 mit seinen Sachen runterladen. Ich hab mir einige Stücke angehört und kann nur sagen, daß der auf demselben Trip ist wie ich und ich wiederum meine Arbeit nicht zu verstecken brauche.
- -Ich kann nur wiederholen, daß die Übersichtlichkeit der Midi-Partituren und ein neuer Einblick in die Musik für mich ein wesentlicher Vorteil sind und ein Argument, daß es Sinn macht, einen gut durchdachten Standard für Midi für Klassiker zu entwickeln.
Nachdem ich fünf Jahre mit meinem alten Dampf-Atari über 16 Midikanäle erst klassische Klavierstücke und dann, um eine Wartezeit zu überbrücken, die Fünfte einprogrammiert habe, habe ich mir vor 3 Jahren einen PC mit einem Midiport für 4 Geräte und einer Sample-Cell-Karte und für meine Verhältnisse erschwingliche Klangkörper angeschafft. Ich kann, was die Anzahl der verschiedenen Klänge anbetrifft aus dem Vollen schöpfen. Und das mache ich auch, weil sich manche deutlichen Unzulänglichkeiten der synthetischen Klänge dadurch minimieren lassen. So etwa die unnatürlich gleichmäßige Modulation bei stehenden Streicherklängen oder beim Tremolieren. Ich lege immer mindestens zwei Streicher übereinander. Gewöhnlich ein Solo und ein Ensemble-Sound, dem ich im Panorama auch etwas auseinanderziehe. Daß ich für zwei Flöten und zwei Oboen usw. auch verschiedene Klänge nehme, versteht sich von selbst. Die 16 Kanäle der SampleCell benutze ich eigentlich nur, um den Pauken das nötige Gewicht zu verleihen.
Aber genug der Einzelheiten, mail mir deine Adresse und ich schicke dir eine CD und, wenn du die gehört hast und noch andere hören willst, meinetwegen auch noch die anderen.
Wie ich vernehme, gehörst du zu denen, die gern über ein klanglich zumutbares standardisiertes Midi-Synfonie-Orchester verfügen würden, wenn es das zu einem erschwinglichen Preis gäbe. Teuer ist das heute nur, weil die Geräte für alles mögliche benutzt werden, nur nicht für klassische Musik. Wenn ich größenwahnsinnig wäre, würde ich behaupten, daß ich mit vier guten Samplern und vor allem dem besten verfügbaren Soundmaterial und mir ein paar klassischen Praktikern und ein paar Sound-Spezialisten, eine Midipartitur erstelle, die einen bestimmten Dirigenten so kopiert, daß selbst Fachleute genau hinhören müssen, um die Fälschung zu erkennen. Daran ist mir natürlich nichts gelegen. Ich hätte gern eine vernünftige Ausrüstung, mit der ich ein beliebiges Orchestermusikstück reproduzieren und bearbeiten kann. Eigentlich wäre ich ein typischer User von fertigen Midipartituren, die ich mit Genuß anhöre und interessiert verfolge und nach Lust und Laune meine eigene Version mache. - - - Indem ich dies schreibe, höre ich mir nochmal in Ruhe eines der obenerwähnten mp3-files an und fühle mich bestätigt darin, daß über Midi-Partituren ein wesentlicher Teil der musikalischen Informationen dargestellt werden kann. - - - Muß ich auch in mein Repertoire aufnehmen, dieses adagietto von Mahler, dieses Stück ist sehr gut geeignet für Midi, wenn man einigermaßen authentische Streicherklänge hat.
Ich finde es klar, wie Kloßbrühe, daß es zwar eher später als früher, aber dennoch unausbleiblich, weil vernünftig ist Midi-Partiruren werden als musikwissenschaftliches Arbeits- und Hilfsmittel genauso unverzichtbar sind, wie gedruckte Partituren. Jedenfalls können sie, wenn sorgfältig erstellt, alle Informationen enthalten, die das Jahrhunderte alte Notenschrift-System enthält. Was ich immer noch am beeindruckendsten finde, daß die klassischen Kompositionen etwas beinhalten, das selbst auf diesem "mechanischem" Wege weitertransportiert wird und "abgespeichert" werden kann.
Wenn ich eine mailadresse bekomme, werde ich bei Anfrage zwei * gif oder *.jpg von äußerst aufschlußreichen screeshots schicken, einmal die klassische Formübersicht einer Sonate mit Exposition, Durchführung usw. als Diagramm auf einen Blick, und das andere die 2 *.wav-Bilder desselben Stückes einmal leibhaftiges Noname-Orchester und einmal als Midi-Partitur. Selbst ein Fachmann würde nicht mit Sicherheit sagen können, welches Bild wozu gehört.
Sei's drum, ich gehe mal wieder offline und würde mich über eine Fortsetzung des Erfahrungsaustausches freuen. Ich schaue jedenfalls immer mal in diesem Forum nach interessanten Beiträgen.
uwe(at)mindfloaters.de